Luna steht zum Verkauf

Schweren Herzens bieten wir Luna zum Verkauf an.

Unsere Lebensumstände werden es uns in der nächsten Zeit leider nicht erlauben, viel Zeit an der Nordsee zu verbringen. Vielleicht findet sich ja jemand, der das Boot schon in dieser Saison segeln möchte.

Unten findet sich ein Link zu einem ausführlichen Exposé. Wir freuen uns über Kontakt

201804 Luna

Neue Leseleuchten

Es ist nicht wegzudiskutieren. Langsam aber sicher neigt sich die Segelsaison dem Ende zu. Es ist Herbst, draußen sind es 8 Grad, gerade ist der zweite große Herbststurm über Norddeutschland gezogen und nach der Zeitumstellung am Wochenende ist es spätestens um fünf Uhr dunkel. Genau das richtige Wetter, um sich früh mit einem guten Buch in die Kojen zu verholen. Die Voreigner waren um diese Jahreszeit schon im Winterlager, daher haben sie vermutlich auch keine Leseleuchten in der Bugkajüte vermisst. Wir schon!

Anstatt eine Lösung von der Stange zu nehmen, habe ich mich für einen Eigenbau entschieden. Ich habe mir hier Aluminiumplatten fräsen lassen. Diese nehmen eine 12V-Schwanenhalsleuchte aus dem Eventbereich auf (mit einer 3-pol XLR-Buchse). Außerdem einen Schalter und ein Poti für den Dimmer. Zusätzlich noch eine USB-Buchse aus dem Campingbedarf, die direkt an 12V Bordspannung angeschlossen werden kann. Das Panels habe ich bereits zuhause bestückt und verdrahtet, sodass sie an Bord „nur noch“ in die Schränke der Bugkajüte eingebaut und an das Bordnetz angeschlossen werden müssen. Dabei habe ich den eingebauten Schalter der Leuchten überbrückt.

 

 

 

 

Alle Teile sind von Conrad Electronic. Zum Dimmen der Leuchten kommt ein OT-Dimmer von Osram zum Einsatz. Der bekommt eingangsseitig 12V und kann einfach mit einem 100K-Ohm-Poti bedient werden.

 

 

 

 

Eingebaut sieht das ganze dann so aus:

 

Und da das Wetter eh nicht zu Segeln taugt, darf ich heute ein paar weitere Haken auf der To-Do-Liste verteilen.

Ein neuer Taster für das Elektro-WC

 

 

 

 

Der originale Taster hat sich langsam in seine Einzelteile aufgelöst, daher habe ich zusätzlich zu den Leuchtenpanels eine Platte für einen neuen Taster bestellt.

Zusätzliche 230V-Steckdosen

 

 

 

 

Über die wilden Konstruktionen mit Verlängerungen und Dreiersteckdosen habe ich mich schon den ganzen Sommer geärgert. Seit heute gibt’s zwei Einbausteckdosen in der Küche für Kaffeemaschine und Wasserkocher, sowie eine Steckdose unter dem Ofen, um einen elektrischen Heizlüfter anschließen zu können. Check.

Dimmer im Salon

 

 

 

 

Für das gemütliche Licht sorgen im Salon LED-Flexbänder an den Seiten (wenn wir keine Lust auf den Duft der Petroleumlampe haben). Für richtig gemütlich waren die immer einen „Tick“ zu hell. Das Netzteil liegt gut zugänglich hinter dem Navitisch und so war es keine große Operation auch hier einen LED-Dimmer einzubauen. Das Poti ist jetzt genau neben dem Schalter im Salon zu finden. Der Awendungstest folgt dann heute Abend.

Ein Loch im Boot

Es geht doch nichts über einen reißerischen Titel, oder?

Keine Sorge. Das Loch ist deutlich oberhalb der Wasserlinie und mit einer Luke verschlossen.

Mit Tageslicht sind wir in unserem Salon (im Kellergeschoss) nicht so richtig verwöhnt und in der Ecke in der sich Herd und Heizung befinden, wäre auch die Möglichkeit zu lüften kein Luxus.

Schon während des Sommerurlaubs hatte ich bei ebay-Kleinanzeigen ein Gebo-Portlight zu einem „Kuschelpreis“ erstanden. Heute, ein paar Wochen später, ist es dann soweit.

Ist schon ein komisches Gefühl, Bohrer und Stichsäge am Boot anzusetzen. Falls es jemand nachmachen möchte, hier ein kleines HowTo:

Stelle suchen und anzeichnen

Der Verkäufer hatte eine ziemlich gut passende Schablone mitgeliefert. Diese haben wir an der Stelle angeklebt, wo später die Luke sitzen soll. Da es hier zielich viele Rundungen gibt, ist der optische Eindruck genauso wichtig, wie die die Aussage des Zollstocks.

 

 

 

 

Ecken vorbohren

Klar, Ecken hat das Ding nicht. Trotzdem macht es Sinn, ein paar Löcher zu bohren, damit man die Säge zwischendurch absetzen und drehen kann.

 

 

 

 

Von der Innenseite kleben wir einen Müllsack unter die Stelle, der eine allzu große Sauerei im Salon verhindert.

 

Sägen

Jetzt ist auch egal. Aufgrund der Löcher ist das Boot eh nicht mehr dicht, dann kann man auch noch mehr kaputt machen.

 

 

 

 

Unser GFK ist mit 9mm relativ dick. Ich wähle ein relativ grobes Blatt, das für Holz und Kunststoff geeignet sein soll und säge mit nicht allzu hoher Drehzahl und ohne Pendelhub. Stinkt ordentlich nach GFK, klappt aber ganz gut – bis ungefähr zur Hälfte. Danach fängt es an zu dampfen und das Blatt sieht so aus:

 

 

 

Hier hat die Glasfaser klar gewonnen. Zum Glück habe ich einen Fünferpack von den Blättern gekauft.

Jetzt haben wir ein richtiges Loch im Boot:

 

 

 

 

Abdichten

Ich habe extra Kompriband gekauft, um die große Schmiererei mit Sikaflex zu vermeiden. Die Schablone ist aber so gut, dass die Luke nach ein wenig Feilen perfekt passt. Also doch Schmiererei. Und zwar an der Schnittkante und der Auflagefläche der Luke, sowie später von innen unter dem Rahmen.

 

Verschrauben

Der Rahmen wird von innen mit 16 Edelstahlschrauben an der Luke verschraubt. Bei der Dicke unserer Bordwand hat 4×16 ziemlich gut gepasst.

 

Säubern

Wenn man ordentlich abgedichtet hat, wird es spätestens jetzt Zeit, die Sauerei um den Rahmen zu entfernen. Ich habe irgendwann mal in einem Leserbrief in der Yacht gelesen, dass man für so etwas gut die Reinigungstücker von Würth benutzen kann. Seitdem haben wir einen Eimer davon an Bord. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber damit geht so ziemlich alles ab. Auch Sikaflex.

 

Testregen

Jetzt ist eine ordentliche Regenschauer angebracht, um die Luke auf Dichtigkeit zu prüfen. Bei uns kommt sie wie bestellt ungefähr eine Minute, nachdem das Werkzeug wieder in der Kiste ist.

Das Ergebnis

…sieht so aus:

 

 

 

 

 

 

Alles in allem hat die ganze Aktion keine Stunde gedauert. Und in Sachen Tageslicht und Lüftung hat sie uns wirklich weitergebracht. Beim Einbau von Luken muss man natürlich darauf achten, dass die Statik des Bootes nicht beeinträchtigt wird. Da es in unserem Fall keine Werft mehr gibt, die wir fragen könnten, habe ich mich darauf verlassen, dass die anderen Beryll-Eigner, die an dieser Stelle ein Fenster haben, wussten, was sie tun.

Und da wir gerade in Fahrt sind und noch ein paar gut gekühlte Sägeblätter da sind, tauschen wir direkt noch den alten Pilzlüfter über der Kinderkoje gegen einen Solarlüfter. Hier finde ich dann 25mm Material (GFK und Holz). Ich wusste ja, dass wir ein stabiles Boot haben. Und irgendwo muss das Gewicht ja auch herkommen.

Internet an Bord

Ein Thema, das zum Bedauern unserer Kinder keine Rolle bei der Auswahl unseres Liegeplatzes gespielt hat. Hier im Hafen in Hooksiel gibt es kein WLAN und die LTE-Netzabdeckung ist leider etwas bescheiden.

Hier habe ich mich für die technische Lösung inspirieren lassen, die uns dauerhaft mit gutem Netz versorgt. Vielen Dank an Julian für das tolle Howto!

Die technischen Einzelheiten könnt ihr dort nachlesen, im Prinzip habe ich die Konfiguration übernommen. Der Router bekommt eingangsseitig ein Mobilfunksignal oder ein Hafen-WLAN, falls vorhanden. Alle Geräte an Bord werden dann mit dem bordeigenen WLAN verbunden.

Die Geräte laufen bei uns an Bord alle ohne Probleme mit 12V Bordnetz.

Router und POE-Einspeisung

Für das fremde WLAN benutzen wir ebenfalls die Bullet M2 mit einer Rundstrahlantenne. Die Empfangsqualität ist absolut überzeugend. Auf Spiekeroog, haben wir damit noch das WLAN vom Hafen in Wangerooge gesehen.

Bullet am Antennenmast

Für das Mobilfunksignal habe ich zusätzlich noch diese Außenantenne am Antennenmast installiert. Damit haben wir ein stabiles 4G-Signal an unserem Liegeplatz.

LTE-Antenne

Im Router befindet sich eine SIM-Karte von Congstar mit der Homespot-Konfiguration. 20GB Daten pro Monat an einer definierten Adresse für 20€. Das Signal ist nicht nur in unserer Marina, sondern auch bis weit hinaus auf die Jade stabil. Als Backup haben wir noch eine Prepaid-Karte an Bord, falls wir mal außerhalb unseres Heimathafens ohne WLAN unterwegs sind.

Nachmachen unbedingt empfohlen.

Motorblues

Nachdem die eine Hälfte der Familencrew gestern für zwei Tage zum Geldverdienen in die Heimat gereist ist und das Wetter gerade nicht wirklich zum Segeln taugt, haben Joni und ich heute einen Basteltag eingelegt. Seitdem wir das Boot übernommen hatten gab es Probleme mit dem Kühlwasser am Bb-Zylinder des Farymann R30 (siehe hier) und das Thema hat mir schon viele schlaflose Nächte bereitet. Am Kühlmantel ist permanent ein bisschen Wasser an den Dichtungen ausgetreten und die Zylinderkopfdichtung an  Backbord wurde immer schneller warm als an Steuerbord . Das hatte ich bei der Besichtigung im vergangenen Jahr nicht bemerkt. Mit der Erfahrung von heute, hätten wir das Boot vermutlich nicht gekauft. Zum Glück haben wir doch, denn die Geschichte geht gut aus 😉 Ich habe beim Überführungstörn zunächst akzeptiert, dass alle zwei Stunden die Bilgepumpe anspringt und das ausgetretene Kühlwasser nach draußen befördert. Im NOK hat sich dann mal der Thermostat zu Wort gemeldet. Ich habe nach und nach alle Austrittsstellen mit Quicksteel abgedichtet – eine Bastelei an Symptomen, wie ich heute herausgefunden habe. Den Kühlwasseraustritt habe ich damit jedenfalls zunächst in den Griff bekommen. Während unseres Sommertörns zu den Inseln hat sich während der Motorfahrten relativ zügig der Thermostat gemeldet. Mein Vermutung, war ein abgeknickter Kühlerschlauf am Wasseraustritt des Zylinders, den ich mittlerweile getauscht habe. Im Werkstatthandbuch steht, dass das Salz im Kühlwasser ab 55°C auskristallisiert und die Kühlkanäle verstopfen kann. Na bravo. Der Motor lief jedenfalls vollkommen unproblematisch. Das Modell wurde nach meinen Informationen als luftgekühlte Variante für Rüttelplatten verwendet, also sollte er das auch abkönnen. Kritisch ist es beim Boot, wenn die Abgase nicht vernüftig heruntergekühlt werden, da die noch ein ganzes Stück durch Gummi müssen, bevor sie am Heck mit dem Kühlwasser ins Freie gelangen. Unterwegs habe ich bereits mal versucht, den Zylinder zu spülen – ohne Erfolg.

Heute war dann Ursachenforschung angesagt. Das Kühlwasserschema des Motors kenne ich schon lange auswendig – manchmal habe ich davon geträumt 🙂 Also haben wir begonnen den Kühlwasserverteiler zu demontieren. Dieser verteilt das einströmende Seewasser nach dem Ölkühler auf die beiden Zylinder und auf eine Bypassleitung. So sieht er aus:

Der Ausbau im Boot gestaltet sich als wirklich sportlich. Zwei uralte überlackierte Schlauchschellen mit Schlitzschrauben von der Backbordkoje, eine aus dem Bad und die der Bypassleitung quer durch den Motor von vorne aus dem Salon. Dazu lassen sich rund um den Motor diverse Platten demontieren.

irgendwo zwischen Toilette und Motor

Unter dem Backbordzylinder zeigt sich dann die Bescherung. Mir bröselt schwarzer Schlamm entgegen. Das Zeug ist vermutlich eine Mischung aus Sand und Kalk und ließ sich nur mit Hilfe eines Schraubendrehers und dem vollen Wasserdruck aus einer Schlauchdüse entfernen. Und da wundere ich mich, dass der Zylinder kein Kühlwasser abbekommt. Das hätte dort vorbei gemusst.

Nach etwas einer Stunde und dank Jonis tatkräftiger Hilfe ist der Verteiler wieder montiert. Die spröden Stellen am Mantel habe ich mit selbstversweißendem Loctite-Band umwickelt und alle Schlauchschellen ersetzt. Als nächstes wird der Zylinder gespült, wer weiß, was da noch drin sitzt. Dabei habe ich mich von dieser Seite inspirieren lassen. Ich bastele also mit einer Teichpumpe einen geschlossenen Kühlkreislauf, der bei nicht laufendem Motor betrieben werden kann. Um nicht zu viele Leitungen totlegen zu müssen schließe ich den Ausgang der Pumpe an den Kühlwasseraustritt des Zylinders an. Außerdem lege ich eine Leitung an den Ausgang der Wasserpumpe. Hier tritt normalerweise das Wasser ein, heute eben mal aus. Die Kühlkanäle werden also falschherum gespült. Die Schläuche landen in einem Eimer, in den ich ca. 5l Süßwasser fülle. Irgendetwas zwischen MacGyver und Daniel Düsentrieb, aber was soll ich sagen…Es läuft!

 

 

 

Der Ausgang bekommt als Schmutzfilter noch einen Damenstrumpf übergezogen. Ich lasse die Konstruktion erstmal eine halbe Stunde laufen und trinke einen Kaffee. Danach gebe ich eine Flasche Essigessenz in den Eimer und das Spülen wird eine weitere halbe Stunde mit 10%iger Essigsäure fortgesetzt. Danach kippe ich noch ein Fläschchen Kühlerdichtmittel hinterher. Ob das bei kaltem Motor funktioniert, weiß ich nicht, aber der Versuch ist es wert. Wenn der Motor warm ist, geht das Kühlwasser ins Meer (Einkreiskühlung). Schließlich bastele ich das gesamte Kühlsystem wieder zusammen und schließe einen Wasserschlauch an den Kühlwassereintritt an, um den gesamten Motor ausgiebig mit Süßwasser zu spülen. Der Sorgenzylinder ist dicht und es plätschert munter am Heck! Der Wasserdruck ist deutlich höher als der der Wasserpumpe. Die schließe ich im Anschluss wieder an und wir machen einen Testlauf. Bis auf eine kleine Stelle, die ungefähr einen Tropfen pro Minute verliert (und mittlerweile auch abgedichtet ist) ist der Zylinder trocken! Nach etwa einer halben Stunde unter ordentlicher Last sind beide Zylinderköpfe gleich warm und der Thermostat ist natürlich ebenfalls ruhig.

Damit ist endlich ein Haken hinter der größten Baustelle beim Projekt Luna. Ein Motorproblem ist erstens sicherheitsrelevant und schmälert zweitens den Wert des Bootes massiv. Das gute Stück wird alles an Pflege bekommen, die es benötigt, damit wir noch lange Spaß daran haben.

Nebenbei habe ich eine Menge über alte Dieselmotoren gelernt.

Inselhopping

Das Video zu diesem Beitrag gibt es hier

Urlaubspläne? Nicht so richtig. Es soll zu den Inseln gehen. Schließlich wollen wir ja die tolle Lage unseres Liegeplatzes nutzen. Die Ostfriesen sollen es sein. Bis auf Borkum, unsere Osterurlaubsinsel, kennen wir die bisher nicht wirklich und sind echt gespannt, was uns erwartet. Wie weit nach Westen? Watt oder Nordsee? Wie lange? Keine Ahnung, das sollen in diesem Jahr Wind, Wetter, Tide und Lust bestimmen. Eine ganz neue Erfahrung, gehören wir doch eher zu den Menschen, die gerne einen Plan haben. Natürlich haben wir den Tidenkalender, die aktuellen Lotungen und das Wetter gecheckt und uns ein paar Optionen überlegt. Klar ist aber, dass dieser Urlaub kein Törn zum Meilenfressen wird, sondern ein Familienurlaub. Dort,  wo es uns gefällt, wollen wir bleiben. Außerdem ist uns gar nicht so wirklich klar, ob wir das aushalten: Drei Wochen an Bord, zu viert mit Hund ist auch für uns eine Premiere.

 

Planung ist alles im Watt…

 

Am Wochenende vor dem Urlaub hatte ich noch letzte „Basteleien“ vorgenommen: Ein Rückschlagventil und einen neuen Schlauch für die Bordtoilette, Inbetriebnahme des Taylor-Ofens und Einrichten des WLANs an Bord. Außerdem hatte ich die Verproviantierung schon weitestgehend vorgenommen (das Wasser hat übrigens bis zum Ende der zweiten Woche, an dem ich dies hier schreibe, gereicht – Das Bier nur bis Wangerooge).

So kommen wir am Sonntagnachmittag bei strömendem Regen an unserem Liegeplatz in Hooksiel an. In einem trockenen Moment wird das Cockpitzelt aufgebaut und anschließend all das auf dem Boot verstaut, was so eine Familie für drei Wochen benötigt. Ein wenig fühlt man sich an den Auszug aus Ägypten erinnert, aber irgendwie findet auch der Inhalt der letzten Kiste den Weg in eins der zahlreichen Schapps an Bord. Hoffentlich finden wir alles wieder…Petrus zeigt sich am Abend dann versöhnlich und schenkt uns einen wunderbaren Sonnenuntergang zum Urlaubsauftakt, den wir stilecht mit Dosensekt auf dem Deich begießen.

Am folgenden Tag geht es dann los. Mittags in die Schleuse, um mit auflaufendem Wasser ins Watt zu fahren. Das heisst natürlich erstmal gegen den Strom die Jade hinauf.

Volle Schleuse in Hooksiel

Da wir tendenziell eine Stunde zu früh rausgefahren sind, weil es keine passendere Schleusenzeit gab, haben wir Zeit. Also direkt in der Hafenausfahrt die Tücher hoch. Westwind, leider nur 3bft, aber egal. Unter Groß und Genua geht es gemütlich in Richtung Nordsee.  Schillig an Backbord. Ob die Menschen im Wohnmobil auf dem Asphaltplatz mit Blick auf’s Meer wohl dasselbe Gefühl von Freiheit erleben, wie wir an Bord? Manch einer behauptet ja, dass ein Boot nichts anderes ist, als ein Wohnmobil auf dem Wasser – kein weiterer Kommentar an dieser Stelle. Die Mellum an Steuerbord. Bisher bin ich hier nur mit ablaufendem Wasser raus. Eine ganze Menge Land sieht man da jetzt…

gute Stimmung an der Pinne…
…und an Deck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter Segeln geht es bis Minsener Oog. Ab hier müssen wir mit unserem Tiefgang den Dieselwind nutzen, da wir ziemlich genau nach Westen müssen und hier nicht kreuzen können. Das Minsener-Oog-Wattfahrwasser ist unsere erste segelnde Erfahrung im Watt. Echt spannend. Was habe ich gerechnet, wann wieviel Wasser auf dem Wattenhoch steht, aktuelle Lotungen im Netz gesucht und Törnführer gewälzt. Sicher ist es wichtig sich gut vorzubereiten, aber die wichtgsten Learnings sind:

  1. Alles halb so wild
  2. Mit 1,35m haben wir einen guten Tiefgang für dieses Revier
  3. Die 12er-Regel funktioniert wirklich 🙂
  4. Dass das Echolot ab 1m unter dem Kiel Alarm schlägt, ist natürlich vollkommener Unfug (Ostseesegler :-))

Zwei Stunden vor Hochwasser passieren wir die Dreierpricke. Am Wattenhoch haben wir noch 90cm unter dem Kiel. Exakt soviel wie berechnet…Unglaublich. Im Anschluss geht es ein Stück durch die Blaue Balje, das Seegatt zwischen Minsener Oog und Wangerooge. Ein tolles Naturerlebnis. Schließlich geht es ins Wangerooger Wattfahrwasser.

Wangerooger Wattfahrwasser

Hier haben wir am Hoch satte 1.2m unter dem Kiel. Nach ca. 4 Stunden liegen wir sicher im Hafen auf Wangerooge. Zuerst am Längssteg, an einem Platz der leider reserviert ist, dann in einer Box am Fingersteg.

Eigentlich ja cool, aber bei dem aufziehenden Wetter vielleicht nicht die beste Option, doch dazu später mehr…

Der Hafen ist nett, wir fühlen uns hier sehr wohl. Für den Weg in das Inseldorf mieten wir uns Fahrräder für ein paar Tage. Der Strand ganz im Westen ist leider eine Baustelle in Sachen Küstenschutz bis 2019. Teilweise wird hier die ganze Nacht durchgearbeitet. Wenn ein Schiff mit Steinen entladen wird kann das schonmal ganz schön laut sein. Abends nutzen wir diesen Strand trotzdem für Spziergänge mit Milou und genießen den Blick in Richtung Spiekeroog.

Blick nach Westen mit Wangerooger Westturm und Leuchtturm
am Hauptstrand

 

 

 

 

 

Der Ort ist ein bisschen wie Borkum, nur kleiner. Eine feine Promenade rund um das Café Pudding. Jede Menge Versorgungsmöglichkeiten in Sachen Matjesbrötchen und Eis. Der Hundestrand ist nordöstlich des Dorfes und ebenfalls gut mit dem Fahrrad zu erreichen.

 

Bleiben wollen wir eigentlich drei Tage auf Wangerooge, geworden sind es dann fünf, denn ein 7er Südwind mit Böen bis zu 9 bft hält uns im Hafen fest. Die Box an der Südseite war dann doch nicht die beste Option. Ab halber Tide geht es zu wie beim Rodeo. Bei Hochwasser ist die Mole am Südrand des Hafens vollständig überspült. Nachts warten wir darauf, dass wir bei Niedrigwasser endlich in den Schlick sinken, um wenigstens ein paar Stunden in Ruhe zu schlafen.  Am Abend bauen wir unser Cockpitzelt ab, bringen alles an Leinen aus, was wir haben und verkriechen uns in den Kojen. Die Kinder sind ziemlich unbeeindruckt und schlafen wie die Steine. Wir eher weniger. Aber das gehört wohl dazu, wenn man in diesem Revier Segeln will. Am kommenden Morgen treibt mich ein komisches Geräusch der Festmacher am Bug aus der Koje. Die vordere Lippklampe an Backbord ist ausgerissen und total verbogen. Hier war wohl eine der Schrauben zum Kontern im Ankerkasten gelockert und hat sich unter der Dauerbelastung losgerüttelt. Die Schrauben sind total verbogen und eine ist gut zwei cm durch das Deck gewandert. Zum Glück haben wir exakt diese Schrauben als Ersatzteil an Bord. Also alles abgeschraubt, den Beschlag auf dem Stag wieder gerade gedengelt und mit neuen Schrauben wieder angeschraubt und das Laminat provisorisch veriegelt. Das alles bei 7bft, auf dem Bug liegend, der sich ca. 1,5m nach oben und unten bewegt, mit beiden Händen im Ankerkasten…und alles vor dem ersten Kaffee. Prost, Mahlzeit. Auf Dauer muss hier ein neuer Beschlag her und ein bisschen Spachtelarbeit wartet auch noch. Für den Rest des Urlaub hält es jedenfalls.

Vorbereitungen für das Bullenreiten…
…und das Ergebnis

 

 

 

 

Für Samstag ist eine Wetterbesserung angekündigt und in der Nacht flaut der Wind merklich ab und dreht in Richtung West: Gut für den Liegeplatz, schlecht für das Segeln, denn nach Westen wollen wir. Am Freitagabend füllt sich der Hafen bereits mit Regattateilnehmern für die Regatta „Rund Wangerooge“, die für Samstag angekündigt ist. Da wir keine Lust auf Party haben, checken wir aus und machen uns am Samstagmorgen auf in Richtung Spiekeroog.

Es ist sonnig, die bösen Fronten sind alle durch, aber leider hat der Wind komplett auf West gedreht, sodass wir mal wieder zum Motorboot werden.

Das Leben an Bord ist nach fast einer Woche zur Routine geworden: Der Hund kennt seinen Platz, die Kinder haben sich gut eingelebt, die Manöver klappen immer besser und der Bootskoller ist bisher ausgeblieben.

Drei Matrosen beim Logbuch-Check
Abendessen im Cockpit

 

 

Spiekeroog ist einfach nur schön. Die Marina liegt geschützt neben dem Fährhafen, alles ist ziemlich gut in Schuss und bis ins Inseldorf ist es nur ein Katzensprung. Die Fahrt hierher ist fast Routine. Das Wattfahrwasser ist sehr schön und wir haben fast 2m Luft am Wattenhoch. Leider kommt der Wind mal wieder von vorne. Also motoren und viel Zeit, um Seehunde zu beobachten. Im Seegatt, der Accumer Ee, steht gerade eine gute Welle und das Wasser wird über die Buhnen der Inseln gepeitscht. Hier wollen wir nicht bei schlechtem Wetter durch. Ich denke an den Segler, dem es hier beide Segel zerfetzt hat, während wir auf Wangerooge waren. Gut, dass es die Seenotretter gibt!

Das Fahrwasser macht einen weiten Boden und führt schließlich zur Marina an der Westseite der Insel.  Der Hafen fällt weitestgehend trocken, sodass hier die Toilettengänge nach der Tide geplant werden müssen, Ab zwei Stunden vor Niedrigwasser liegen wir so tief in der Matsche, dass die Toilettenpumpe nur noch Schlick zieht. Zum Glück ist der Weg zu den Sanitärgebäuden nicht so weit. Beim Einchecken werde ich auf die Beryll angesprochen. Ein anderer Beryll-Eigner, der selbstverständlich über unser Boot und diese Seite im Bilde ist. Lustige Begegnung. Leider warst du schnell wieder weg und wir hatten keine Zeit zum Quatschen. Ich habe mir nicht mal den Bootsnahmen gemerkt. Also: Viele Grüße an dieser Stelle und melde dich mal, wenn du Lust hast! 🙂

Marina Spiekeroog

Das Dorf ist beschaulich: Keine Autos, die meisten Straßen fahrradfrei, viele Bäume und alte Friesenhäuser. Es gefällt uns wirklich gut hier. Für den Weg zum Strand (ca. 2km) mieten wir uns einen Bollerwagen am Hafen. Der Hundestrand ist etwas abseits und bietet leider keine Infrastruktur. Für Toiletten oder einen kühlen Drink muss man bis zum Hauptstrand laufen und den Vierbeiner zurücklassen. Auf der Insel verbringen wir zwei schöne Tage, essen in einem wirklich guten Fischrestaurant und gehen ausgiebig in der Nordsee schwimmen. Außerdem gibt es Dingifahren und Bootsputz in der Marina. Eine kleine Wanderung führt uns ganz an die Westspitze der Insel. Hier wollen wir in jedem Fall auf dem Rückweg nochmal hin.

Große Weite am Hundestrand
Waschtag
Dingitour im Hafen…

 

… und Bad in der Nordsee
Inseldorf

Die älteste Inselkirche Frieslands
und sensationelles Eis (Geheimtip: Birnen-Sorbet)
Bootsputz

Wir wollen noch einen Insel weiter. Langeoog soll es sein. Unsere Nachbarn auf Spiekeroog haben uns zwar geraten, direkt nach Baltrum durchzufahren, weil Langeoog sich nicht lohnt, aber wir kennen die Insel noch nicht und wollen uns selbst ein Bild machen. Baltrum würden wir bei dem momentanen Wasserstand (+40cm) sogar schaffen, aber wir müssen auch langsam den Rückweg planen. Über die Wattseite heisst es ca. 2 Stunden vor Hochwasser los. Das eine ist momentan mitten in der Nacht und keine Option und das andere wandert immer weiter in den Nachmittag. Also keine wirklich langen Touren drin.  Bei gutem Wetter durch ein Gatt auf die Nordsee wäre auch eine Option, doch auch das geht nur bei Hochwasser und darauf, erst am späten Abend in Hooksiel anzukommen und im Vorhafen zu übernachten, weil es keine Schleusung mehr gibt, haben wir keine Lust.

Also Langeoog! Der Wind hat auf Ost gedreht, das heisst für uns ein komplettes Wattfahrwasser unter Segeln! Auf dem Weg sehen wir jede Menge Seehunde – Im Wasser und auf der langgezogenen Seehundbank. Wir begegnen auch einigen Ausflugsdampfern und Krabbenkuttern bei der Arbeit.

Im Wattfahrwasser nach Langeoog

 

Der Hafen auf Langeoog ist ein Monstrum. Bei ordentlicher Welle und Wind von der Seite knallen wir zwischen den riesigen Betonmolen – Relikten aus dem zweiten Weltkrieg –  hindurch in den gut geschützen riesigen Hafen. Die Insulanerkinder sind unbeeindruckt davon und kreuzen munter mit ihren Optis herum. Wir finden einen schönen Platz mit netten Nachbarn an einem Fingersteg an der Südseite. In der Nähe liegt eine Fam der lokalen Segelschule. So eine haben wir auch mal gesegelt und sind uns einig, dass wir hier lieber mit 5 Tonnen und einem ordentlichen Kiel unterwegs sind. In der Marina gibt es über 200 Liegeplätze, einige sind von imposanten Motoryachten, Fahrtentrimaranen und tollen Aluyachten besetzt. Gerade letztere lassen uns ein bisschen träumen. Der Hafen fällt praktisch vollständig trocken. Das ist echt ein Erlebnis. An den Abenden erleben wir hier wunderbare Sonnenuntergänge und ich habe sogar Muße, die Windsteueranlage am Boot zu installieren, die seit Jahren ihr Leben in der Achterkajüte fristet.

Die wissen wer der Skipper ist 🙂
Joni lotet im Minutentakt…
… bis wir schließlich komplett in der Matsche liegen
die Navik am Heck…Ich bin gespannt

 

 

 

 

 

 

 

Unser Liegeplatz auf Langeoog

 

 

 

 

 

Unsere Nachbarn aus Spiekeroog haben der Insel Unrecht getan. Die Sanitäranlagen sind längst nicht so schlecht wie angekündigt, die Marina ist gut in Schuss (leider ist das WLAN schlecht, dafür gibt es morgens frische Brötchen) und die Inselbahn ins Dorf fährt deutlich öfter als die auf Wangerooge. Das Dorf ist deutlich mondäner als auf den beiden anderen Inseln und es sind extrem viele Tagesgäste auf der Insel. Nach 10 Tagen quasi unser uns, ist uns das fast ein bisschen zuviel. Trotzdem hat auch Langeoog Flair und wir fühlen uns wohl hier.

Inselbahn
Wasserturm Langeoog
Skipper hat Spaß…
…Skipperin auch

 

Sandra & Sebastian
Abendstimmung im Hafen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir beschließen,  den Rückweg über die Inseln auf der Wattseite anzutreten. Die anderen Optionen passen nicht so richtig und Helgoland wollen wir uns für ein anderes Mal aufheben. So geht es nach zwei Nächten auf Langeoog zurück über Spiekeroog und Wangerooge in Richtung Hooksiel.

Auf dem Rückweg wird dann sogar richtig gesegelt. Der Wind bläst meist aus westlichen Richtungen. Der letzte Schlag von Wangerooge zurück gestaltet sich dann sogar richtig sportlich. Aufgrund der Wettervorhersage weicht die Genua schon am Morgen der keinen Fock und ich binde vorsorglich ein Reff ins Großssegel. Unter NW 4 segeln wir zunächst zügig durch das Wangerooger Wattfahrwasser, der Motor läuft zur Sicherheit mit. Es gibt außerdem ordentlich Süßwasser von oben. In der blauen Balje erwischt uns dann ein richtiger Squall. Der Wind frischt nochmals ordentlich auf und die Sicht fällt auf unter hundert Meter. Außerdem baut sich im Gatt eine ordentlich Welle auf, Ein Navigationsfehler tut hier ziemlich weh. Also Lichter an und genau der Kurslinie von der Hinfahrt auf dem Ipad folgen. Hier gibt es dann auch die ersten grünen Gesichter. Jade Traffic am Funk meldet eine 5-6 am Minsener Oog. Die Messstation ist in Wurfweite, allerdings sehen wir sie gerade nicht. Unsere Messstation am Mast meldet aber auch dasselbe. Als wir das Minsener-Oog-Wattfahrwasser verlassen, bläst der Wind exakt aus West. Perfekt für einen wilden Ritt auf der Jade. Nur mit kleiner Fock geht es gegen das nunmehr ablaufende Wasser mit 6 Knoten in Richtung Hooksiel. Die Welle kommt von der Seite, was will man mehr? Im Cockpit werden ein paar Vomex verteilt…Für die Strecke zurück benötigen wir ungefähr die Hälfte der Zeit der Hinfahrt. Um 17 Uhr schleusen wir als einziges Boot ins Hooksieler Binnentief ein. Hey, es ist Samstag, ansonsten nur Schönwettersegler da?

nass…
Im Wangerooger Wattfahrwasser
Ordnung muss sein
auf der Jade
Noah macht sich hervorragend als Steuermann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zurück in der Schleuse

Hinter uns liegt ein wunderbarer Törn, der uns bestätigt, dass wir das richtige Revier gewählt haben. Auf den Inseln werden wir noch viele schöne Tage verbringen, das steht fest. Jetzt liegen wir wieder in Hooksiel. der Wetterbericht ist gut und wir haben noch eine Woche Urlaub, mit kurzer Unterbrechung. Was wir machen? Ideen haben wir jede Menge, konkrete Pläne aber gar nicht. Ist das nicht herrlich?

Ab ins Wasser – Teil 2

Teil 2

Eine Woche später

Meine Güte, was für eine Logistik. An diesem Freitag geht es für mich mittags mit dem Auto los in Richtung Rostock. Am Samstag soll der Mast gestellt werden, nachmittags kommt die Familiencrew per Zug nach und am Sonntag soll der erste Schlag in Richtung Westen erfolgen. Am Montag ist Feiertag und wir wollen keine Zeit verlieren. Bei uns zu Hause türmt sich kistenweise Material für das Boot: Angefangen bei Bettdecken, Kissen, Handtüchern, über Rettungswesten, Lifebelts, Feuerlöscher und jede Menge anderem Kram bis hin zu einer weiteren großen Kiste für die Küche und Kleidung und Ölzeug für vier Personen. Gegen neun schlage ich am Steg auf, trinke ein Anstandsgetränk im Yachtclub und beginne dann, alles einzuräumen. Ca. vier Stunden später ist dann alles familientauglich verstaut und die folgende Nacht ist mit warmem Bettzeug anstatt Schlafsack deutlich angenehmer als in der vergangenen Woche. Das Stellen des Mastes geht am folgenden Morgen fix von statten. Der Voreigner hatte bereits alles vorbereitet, sodass wir die ersten am Mastkran waren.

 

Zurück in der Box bringe ich das Rigg auf Spannung und beginne, die Fallen zu sortieren. Dummerweise hängt das Spifall achtern und das Großfall vor den Salingen – irgendwas ist ja immer. Mit einer McGyver-würdigen Konstruktion aus zwei Bootshaken befördere ich eine Sorgleine über die Saling und sortiere alles neu. Natürlich unter dem Applaus der Stegnachbarn. Danach erfolgen die elektrischen Anschlüsse. Antenne: check, Windanzeiger: check, Decksbeleuchtung: check, Zweifarbenlaterne: check, Dampferlicht: check – leider bleibt das Masttop dunkel. Sowohl die Dreifarbenlaterne als auch das Ankerlicht funktionieren nicht. Wäre ja schon nicht schlecht, das zu haben. Also die Verteilerkiste an Deck geöffnet und beinahe vom Schlag getroffen worden (natürlich nur im übertragenen Sinn). Zum Glück hat derjenige, der es gebaut hat einen ordentlichen Verdrahtungsplan hinterlassen. Nach dem Entfernen der vollkommen rotten Lüsterklemmen und dem Einsatz einiger Aderendhülsen, Quetschverbinder und Wagoklemmen, sah die Kiste nicht nur viel ansprechender aus, auf einmal funktionierte auch alles wieder. Gemeinsam montieren wir den Baum und schlagen die Segel an. Pünktlich zur Ankunft der Crew ist jede Leine dort, wo sie hingehört, die Lifelines sind installiert und der Sekt gekühlt.

Die Leichtmatrosen Noah und Joni mussten genauso lange warten wie wir und sind entsprechend aufgeregt, endlich zum Boot zu kommen. Bordhund Milou ist über das Wochenende ausquartiert, wir haben auch so genug Gewusel an Bord. Während die Kinder sämtliche Winkel und Schapps an Bord inspizieren, bringt Sandra den neuen Schriftzug am Heck an und es gibt eine kurze Schiffstaufe – natürlich mit einem ordentlichen Schluck für Neptun. Danach mache ich eine kurze Einweisung (Sicherheitssysteme, Motor, Elektrik) und wir setzen einmal gemeinsam beide Segel. Morgen soll es schließlich losgehen. Da es mittlerweile mächtig kalt geworden ist, machen wir ziemlich früh die Luken zu und die Heizung an. Als das Radio irgendwann anfängt, Mucken zu machen, stelle ich fest, dass die Versorgungsbatterien ziemlich runter sind. Wir hatten in der vergangenen Woche vor dem Kranen die Motorbatterie geladen und dann vergessen, das Ladegerät wieder umzustellen. Seitdem wurde ja schon ein paar Tage an Bord gelebt und gearbeitet. Mist, ich muss noch einen Batteriewarner einbauen!

Als gerade Ruhe in der Achterkajüte eingekehrt ist, wird auf der gegenüberliegenden Flussseite ein ordentliches Feuerwerk abgebrannt. Das können sich die Matrosen natürlich nicht entgehen lassen zumal die beste Vorschoterin der Welt darauf beharrt, es extra für unseren ersten gemeinsamen Tag an Bord bestellt zu haben. Irgendwann ist dann aber doch Ruhe an Bord der Luna eingekehrt und der Skipper verbringt eine unruhige Nacht. Spielt der Motor mit? Spielt die Crew mit? Ist vielleicht doch zu viel Wind auf der Ostsee? Haben die Batterien das Leersaugen überstanden und sind sie bis morgen früh wieder einsatzbereit? Hab ich an alles gedacht?

Wie es mit der Überführung in die Nordsee weiter geht, ist bald an dieser Stelle zu lesen

Ab ins Wasser – Teil 1

Was man so erlebt, wenn man ein gebrauchtes Boot am anderen Ende Deutschlands kauft…

Die Ereignisse fanden statt an den Wochenenden 22./23. April und 29./30. Mai 2017

Nach einer langen, vollkommen „unterbooteten“ Zeit im Winter ist es nun endlich soweit: Luna (die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so hieß) soll wieder ins Wasser. Aufgrund der Entfernung nach Rostock haben wir im Winterlager nur das nötigste gemacht, sodass noch einige Arbeiten anstehen. Das Kranen und das Stellen der Masten findet im Rostocker Yachtclub immer an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden als groß angelegte Aktion für alle Boote statt. Hier habe ich mich mit dem Voreigner verabredet, der die Aktion noch so lange begleitet, bis das Boot im Wasser ist und alle Segel angeschlagen sind.

Und so geht es, frisch erholt vom Osterurlaub, Ende April mit dem Flieger nach Hamburg und anschließend mit dem Mietwagen nach Rostock. Das Gepäcklimit ist mit Werkzeug und Teilen für das Boot leicht erreicht. Auf dem Weg werden schon mal zwei große Kisten Nahrung und Getränke gebunkert. Da es Ende April wirklich noch kalt an der Ostsee ist, verbringe ich die erste Nacht, in der das Boot noch an Land steht, noch im Hotel und am nächsten Morgen finde ich mich um kurz nach sechs an der Warnow ein. Wie schon beim Auskranen im Oktober ist alles perfekt organisiert und nachdem ich bei einigen anderen Booten geholfen habe, schwimmt Luna um ca. 12 Uhr im Wasser. Der Motor kommt sofort und zu dritt geht es bei Windstärke 8 und einer ansehnlichen Welle in die Box – zum Glück mit dem Wind direkt von vorne. Das Leinensystem des Voreigners nicht kennend, hatte ich natürlich die vorderen und achteren Festmacher vertauscht, sodass das Manöver mit ein paar Hilfsleinen und letztendlichem Tausch der Leinen direkt zur Feuerprobe wird.

Endlich fest, bleibe ich an Bord und beginne gleich damit, die umfangreiche To-Do-Liste abzuarbeiten. Zunächst nehme ich die Wasserversorgung und die Toilette wieder in Betrieb, fülle die Wassertanks, checke alle Verbindungen, Seeventile und die Elektrik, soweit dies in der Schnelle möglich ist.

Anschließend stehen ein Ölwechsel und ein Wechsel des Impellers an. Dies hat an den wenigen Tagen im vergangenen Oktober leider nicht mehr geklappt. Ersteres ist völlig unproblematisch. Die Wasserpumpe allerdings ist beim Faryman 30M leider so unglücklich montiert, dass der Impellerwechsel sich als ziemliche Schrauberei herausstellt. Die kurze Hackwelle am Liegeplatz lässt die Operation dann zu einem ganz besonderen Vergnügen werden.

Bei den Arbeiten am Motor entdecke ich, dass der rechte Zylinder etwas Kühlwasser verliert. Dieses ist nach unten getropft und munter auskristallisiert. Da die Motortemperatur vernünftig bleibt und der Kühlwasseraustritt kräftig und regelmäßig ist, beschließe ich, dass das zunächst mal keine Katstrophe darstellt, wenngleich ich natürlich etwas beunruhigt bin, da am kommenden Wochenende die Familiencrew einfallen wird und es in Etappen zu unserem neuen Heimatrevier in die Nordsee gehen soll. Wie es mit dem Motor weitergeht, werde ich in den folgenden Berichten beschreiben.

Nachdem die  Küchenschapps und die Kühlbox gefüllt sind (zum Essen war bisher natürlich noch nicht wirklich Zeit), gilt es vor Einbruch der Dunkelheit noch zwei Durchbrüche zu machen. Zum einen möchte ich für das neue UKW-Funkgerät eine Sprechstelle im Cockpit haben. Die Buchse hierzu kommt an die Wand zwischen Cockpit und Achterkajüte, in der sich auch das Motorpanel befindet. Eine zweite Bohrung kommt ans Heck. Hier installiere ich eine Durchführung für eine neue GPS-Antenne für das AIS-System und eine Netzwerkleitung, an die später eine externe WLAN-Antenne angeschlossen werden soll. Bei diesen Arbeiten bemerke ich, was für ein stabiles Boot wir gekauft haben. Bei modernen Serienyachten sieht man am Heckspiegel den Wasserstand durch das GFK, ich bohre munter zwanzig Minuten kopfüber mit dem Akkuschrauber mit Forstnerbohrer, um eine Kabeldurchführung zu setzen. Das Boot wurde handlaminiert und hier wurde nicht gespart. Ein beruhigendes Gefühl.

Eine böse Überraschung erwartet mich dann später, als ich die beiden neu installierten Leitungen in Richtung Naviecke verlege. Hierzu müssen die Seitenverkleidungen des Motorraums abgeschraubt werden. Als ich von der Achterkajüte in diesen greife, landen meine Finger in Flüssigkeit, genau an der Stelle, wo eigentlich der Tank sitzt. Der Geruchstest bestätigt meine Befürchtung: Diesel!

Nach den in dieser Situation angebrachten Fluchtiraden schraube ich alles ab, was ich abschrauben kann und begebe mich mit einer Arbeitsleuchte auf Ursachenforschung. Das mittlerweile gut gekühlte Bier muss leider noch etwas warten. Auf dem Dieseltank, der vom Vor-Voreigner vermutlich in 2011 installiert wurde und dementsprechend eigentlich gut in Schuss ist, schwimmt eine ordentliche Pfütze Brennstoff, an der Stelle, wo die Ein- und Auslässe sowie Tankgeber und Revisionsluke sind. Diese bildet eine Mulde und so wird zunächst ca. ein Liter Diesel mit Papiertüchern und Müllsack entsorgt. Relativ schnell finde ich dann glücklicherweise auch die Ursache: der Schlauch, der vom Tankstutzen zum Tank führt, leckt am Übergang zu diesem und gibt alle paar Sekunden einen Tropfen frei. Der Voreigner hatte es gut gemeint und das System bis zur Decksverschraubung gefüllt, um Algenbildung zu vermeiden. Daher steht der Brennstoff im Füllschlauch und drückt auf die Verschraubung. Diese ist nicht ganz dicht und die Zeit im Winterlager hat gereicht, hier eine ordentliche Sauerei entstehen zu lassen. Eine zweite Schlauchschelle und beherztes Nachziehen der vorhandenen, sowie sicherheitshalber etwas selbstverschweißendes Tape schaffen hier Abhilfe. Eine weitere Stunde später ist dann alles wieder gereinigt. Die Abdeckungen des Motorraums bleiben zur Kontrolle und zum Lüften über Nacht ab. Auch am nächsten Morgen ist alles weiterhin trocken. Um Mitternacht verhole ich mich endlich mit einer Flasche lokalen Bieres ins Cockpit. Ich bin alleine am Steg und der Wind pfeift immer noch ordentlich, sodass ich nochmal laut fluchen kann. Danach geht es mir direkt besser und ich genieße das Gefühl, wieder auf dem Wasser zu sein. Solche „Entdeckungen“ gehören wohl dazu, wenn man ein gebrauchtes Boot kauft und rückblickend macht die Bastelei ja auch fast genauso viel Spaß wie das Segeln selbst. Leider ist die Liste noch nicht abgearbeitet, der Zeitplan nur um ein paar Stunden nach hinten verschoben. Das neue Funkgerät (Standard Horizon GX 1600) und das AIS (Weatherdock easy TRX-2), sowie ein aktiver Antennensplitter müssen noch installiert werden, damit es in der nächsten Woche losgehen kann. An Bord gibt es ein altes Raytheon GPS, das tadellos funktioniert und als Redundanzsystem installiert bleibt, sowie ein altes Funkgerät. Zu meiner Vorstellung von sicherem Navigieren gehören unbedingt DSC, sowie ein Plotterdevice mit vernünftigem Kartenmaterial. Dem Setup werde ich beizeiten einen eigenen Blogbeitrag widmen.

Die Installation verläuft wie geplant. Nach einer Stunde quäkt „Warnemünde Traffic“ aus den Lautsprechern (mit UKW-Notantenne an Deck, da Luna ja noch mastlos ist), nach einer weiteren sehe ich unser Boot, sowie die benachbarten AIS-Signale sowohl auf dem IPAD, als auch auf dem Bootsrechner. Yeah.

Den Anschluss weiterer NMEA-Signale (Logge, Lot, Wind) an das System verschiebe ich auf später. Auf NDR läuft mittlerweile seit Stunden WDR (gemeinsames Programm nach Mitternacht) – fühlt sich fast an, wie zuhause. Nach ein zwei weiteren Köstlichkeiten aus der Bordbar verhole ich mich in die Bugkoje und verbringe die erste schaukelige und ziemlich kalte Nacht des Jahres an Bord. Am nächsten Morgen werde ich früh durch munteres Treiben am Steg geweckt, da der Nachbarclub für heute den Autokran bestellt hat – Na, toll. Ich mache noch ein paar Kleinigkeiten, schreibe eine Liste für das kommende Wochenende und begebe mich rechtzeitig auf den Weg nach Hamburg, da hier heute der Marathon stattfindet und die halbe Stadt gesperrt ist.