Ab ins Wasser – Teil 2

Teil 2

Eine Woche später

Meine Güte, was für eine Logistik. An diesem Freitag geht es für mich mittags mit dem Auto los in Richtung Rostock. Am Samstag soll der Mast gestellt werden, nachmittags kommt die Familiencrew per Zug nach und am Sonntag soll der erste Schlag in Richtung Westen erfolgen. Am Montag ist Feiertag und wir wollen keine Zeit verlieren. Bei uns zu Hause türmt sich kistenweise Material für das Boot: Angefangen bei Bettdecken, Kissen, Handtüchern, über Rettungswesten, Lifebelts, Feuerlöscher und jede Menge anderem Kram bis hin zu einer weiteren großen Kiste für die Küche und Kleidung und Ölzeug für vier Personen. Gegen neun schlage ich am Steg auf, trinke ein Anstandsgetränk im Yachtclub und beginne dann, alles einzuräumen. Ca. vier Stunden später ist dann alles familientauglich verstaut und die folgende Nacht ist mit warmem Bettzeug anstatt Schlafsack deutlich angenehmer als in der vergangenen Woche. Das Stellen des Mastes geht am folgenden Morgen fix von statten. Der Voreigner hatte bereits alles vorbereitet, sodass wir die ersten am Mastkran waren.

 

Zurück in der Box bringe ich das Rigg auf Spannung und beginne, die Fallen zu sortieren. Dummerweise hängt das Spifall achtern und das Großfall vor den Salingen – irgendwas ist ja immer. Mit einer McGyver-würdigen Konstruktion aus zwei Bootshaken befördere ich eine Sorgleine über die Saling und sortiere alles neu. Natürlich unter dem Applaus der Stegnachbarn. Danach erfolgen die elektrischen Anschlüsse. Antenne: check, Windanzeiger: check, Decksbeleuchtung: check, Zweifarbenlaterne: check, Dampferlicht: check – leider bleibt das Masttop dunkel. Sowohl die Dreifarbenlaterne als auch das Ankerlicht funktionieren nicht. Wäre ja schon nicht schlecht, das zu haben. Also die Verteilerkiste an Deck geöffnet und beinahe vom Schlag getroffen worden (natürlich nur im übertragenen Sinn). Zum Glück hat derjenige, der es gebaut hat einen ordentlichen Verdrahtungsplan hinterlassen. Nach dem Entfernen der vollkommen rotten Lüsterklemmen und dem Einsatz einiger Aderendhülsen, Quetschverbinder und Wagoklemmen, sah die Kiste nicht nur viel ansprechender aus, auf einmal funktionierte auch alles wieder. Gemeinsam montieren wir den Baum und schlagen die Segel an. Pünktlich zur Ankunft der Crew ist jede Leine dort, wo sie hingehört, die Lifelines sind installiert und der Sekt gekühlt.

Die Leichtmatrosen Noah und Joni mussten genauso lange warten wie wir und sind entsprechend aufgeregt, endlich zum Boot zu kommen. Bordhund Milou ist über das Wochenende ausquartiert, wir haben auch so genug Gewusel an Bord. Während die Kinder sämtliche Winkel und Schapps an Bord inspizieren, bringt Sandra den neuen Schriftzug am Heck an und es gibt eine kurze Schiffstaufe – natürlich mit einem ordentlichen Schluck für Neptun. Danach mache ich eine kurze Einweisung (Sicherheitssysteme, Motor, Elektrik) und wir setzen einmal gemeinsam beide Segel. Morgen soll es schließlich losgehen. Da es mittlerweile mächtig kalt geworden ist, machen wir ziemlich früh die Luken zu und die Heizung an. Als das Radio irgendwann anfängt, Mucken zu machen, stelle ich fest, dass die Versorgungsbatterien ziemlich runter sind. Wir hatten in der vergangenen Woche vor dem Kranen die Motorbatterie geladen und dann vergessen, das Ladegerät wieder umzustellen. Seitdem wurde ja schon ein paar Tage an Bord gelebt und gearbeitet. Mist, ich muss noch einen Batteriewarner einbauen!

Als gerade Ruhe in der Achterkajüte eingekehrt ist, wird auf der gegenüberliegenden Flussseite ein ordentliches Feuerwerk abgebrannt. Das können sich die Matrosen natürlich nicht entgehen lassen zumal die beste Vorschoterin der Welt darauf beharrt, es extra für unseren ersten gemeinsamen Tag an Bord bestellt zu haben. Irgendwann ist dann aber doch Ruhe an Bord der Luna eingekehrt und der Skipper verbringt eine unruhige Nacht. Spielt der Motor mit? Spielt die Crew mit? Ist vielleicht doch zu viel Wind auf der Ostsee? Haben die Batterien das Leersaugen überstanden und sind sie bis morgen früh wieder einsatzbereit? Hab ich an alles gedacht?

Wie es mit der Überführung in die Nordsee weiter geht, ist bald an dieser Stelle zu lesen

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