Neue Leseleuchten

Es ist nicht wegzudiskutieren. Langsam aber sicher neigt sich die Segelsaison dem Ende zu. Es ist Herbst, draußen sind es 8 Grad, gerade ist der zweite große Herbststurm über Norddeutschland gezogen und nach der Zeitumstellung am Wochenende ist es spätestens um fünf Uhr dunkel. Genau das richtige Wetter, um sich früh mit einem guten Buch in die Kojen zu verholen. Die Voreigner waren um diese Jahreszeit schon im Winterlager, daher haben sie vermutlich auch keine Leseleuchten in der Bugkajüte vermisst. Wir schon!

Anstatt eine Lösung von der Stange zu nehmen, habe ich mich für einen Eigenbau entschieden. Ich habe mir hier Aluminiumplatten fräsen lassen. Diese nehmen eine 12V-Schwanenhalsleuchte aus dem Eventbereich auf (mit einer 3-pol XLR-Buchse). Außerdem einen Schalter und ein Poti für den Dimmer. Zusätzlich noch eine USB-Buchse aus dem Campingbedarf, die direkt an 12V Bordspannung angeschlossen werden kann. Das Panels habe ich bereits zuhause bestückt und verdrahtet, sodass sie an Bord „nur noch“ in die Schränke der Bugkajüte eingebaut und an das Bordnetz angeschlossen werden müssen. Dabei habe ich den eingebauten Schalter der Leuchten überbrückt.

 

 

 

 

Alle Teile sind von Conrad Electronic. Zum Dimmen der Leuchten kommt ein OT-Dimmer von Osram zum Einsatz. Der bekommt eingangsseitig 12V und kann einfach mit einem 100K-Ohm-Poti bedient werden.

 

 

 

 

Eingebaut sieht das ganze dann so aus:

 

Und da das Wetter eh nicht zu Segeln taugt, darf ich heute ein paar weitere Haken auf der To-Do-Liste verteilen.

Ein neuer Taster für das Elektro-WC

 

 

 

 

Der originale Taster hat sich langsam in seine Einzelteile aufgelöst, daher habe ich zusätzlich zu den Leuchtenpanels eine Platte für einen neuen Taster bestellt.

Zusätzliche 230V-Steckdosen

 

 

 

 

Über die wilden Konstruktionen mit Verlängerungen und Dreiersteckdosen habe ich mich schon den ganzen Sommer geärgert. Seit heute gibt’s zwei Einbausteckdosen in der Küche für Kaffeemaschine und Wasserkocher, sowie eine Steckdose unter dem Ofen, um einen elektrischen Heizlüfter anschließen zu können. Check.

Dimmer im Salon

 

 

 

 

Für das gemütliche Licht sorgen im Salon LED-Flexbänder an den Seiten (wenn wir keine Lust auf den Duft der Petroleumlampe haben). Für richtig gemütlich waren die immer einen „Tick“ zu hell. Das Netzteil liegt gut zugänglich hinter dem Navitisch und so war es keine große Operation auch hier einen LED-Dimmer einzubauen. Das Poti ist jetzt genau neben dem Schalter im Salon zu finden. Der Awendungstest folgt dann heute Abend.

Ein Loch im Boot

Es geht doch nichts über einen reißerischen Titel, oder?

Keine Sorge. Das Loch ist deutlich oberhalb der Wasserlinie und mit einer Luke verschlossen.

Mit Tageslicht sind wir in unserem Salon (im Kellergeschoss) nicht so richtig verwöhnt und in der Ecke in der sich Herd und Heizung befinden, wäre auch die Möglichkeit zu lüften kein Luxus.

Schon während des Sommerurlaubs hatte ich bei ebay-Kleinanzeigen ein Gebo-Portlight zu einem „Kuschelpreis“ erstanden. Heute, ein paar Wochen später, ist es dann soweit.

Ist schon ein komisches Gefühl, Bohrer und Stichsäge am Boot anzusetzen. Falls es jemand nachmachen möchte, hier ein kleines HowTo:

Stelle suchen und anzeichnen

Der Verkäufer hatte eine ziemlich gut passende Schablone mitgeliefert. Diese haben wir an der Stelle angeklebt, wo später die Luke sitzen soll. Da es hier zielich viele Rundungen gibt, ist der optische Eindruck genauso wichtig, wie die die Aussage des Zollstocks.

 

 

 

 

Ecken vorbohren

Klar, Ecken hat das Ding nicht. Trotzdem macht es Sinn, ein paar Löcher zu bohren, damit man die Säge zwischendurch absetzen und drehen kann.

 

 

 

 

Von der Innenseite kleben wir einen Müllsack unter die Stelle, der eine allzu große Sauerei im Salon verhindert.

 

Sägen

Jetzt ist auch egal. Aufgrund der Löcher ist das Boot eh nicht mehr dicht, dann kann man auch noch mehr kaputt machen.

 

 

 

 

Unser GFK ist mit 9mm relativ dick. Ich wähle ein relativ grobes Blatt, das für Holz und Kunststoff geeignet sein soll und säge mit nicht allzu hoher Drehzahl und ohne Pendelhub. Stinkt ordentlich nach GFK, klappt aber ganz gut – bis ungefähr zur Hälfte. Danach fängt es an zu dampfen und das Blatt sieht so aus:

 

 

 

Hier hat die Glasfaser klar gewonnen. Zum Glück habe ich einen Fünferpack von den Blättern gekauft.

Jetzt haben wir ein richtiges Loch im Boot:

 

 

 

 

Abdichten

Ich habe extra Kompriband gekauft, um die große Schmiererei mit Sikaflex zu vermeiden. Die Schablone ist aber so gut, dass die Luke nach ein wenig Feilen perfekt passt. Also doch Schmiererei. Und zwar an der Schnittkante und der Auflagefläche der Luke, sowie später von innen unter dem Rahmen.

 

Verschrauben

Der Rahmen wird von innen mit 16 Edelstahlschrauben an der Luke verschraubt. Bei der Dicke unserer Bordwand hat 4×16 ziemlich gut gepasst.

 

Säubern

Wenn man ordentlich abgedichtet hat, wird es spätestens jetzt Zeit, die Sauerei um den Rahmen zu entfernen. Ich habe irgendwann mal in einem Leserbrief in der Yacht gelesen, dass man für so etwas gut die Reinigungstücker von Würth benutzen kann. Seitdem haben wir einen Eimer davon an Bord. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber damit geht so ziemlich alles ab. Auch Sikaflex.

 

Testregen

Jetzt ist eine ordentliche Regenschauer angebracht, um die Luke auf Dichtigkeit zu prüfen. Bei uns kommt sie wie bestellt ungefähr eine Minute, nachdem das Werkzeug wieder in der Kiste ist.

Das Ergebnis

…sieht so aus:

 

 

 

 

 

 

Alles in allem hat die ganze Aktion keine Stunde gedauert. Und in Sachen Tageslicht und Lüftung hat sie uns wirklich weitergebracht. Beim Einbau von Luken muss man natürlich darauf achten, dass die Statik des Bootes nicht beeinträchtigt wird. Da es in unserem Fall keine Werft mehr gibt, die wir fragen könnten, habe ich mich darauf verlassen, dass die anderen Beryll-Eigner, die an dieser Stelle ein Fenster haben, wussten, was sie tun.

Und da wir gerade in Fahrt sind und noch ein paar gut gekühlte Sägeblätter da sind, tauschen wir direkt noch den alten Pilzlüfter über der Kinderkoje gegen einen Solarlüfter. Hier finde ich dann 25mm Material (GFK und Holz). Ich wusste ja, dass wir ein stabiles Boot haben. Und irgendwo muss das Gewicht ja auch herkommen.

Internet an Bord

Ein Thema, das zum Bedauern unserer Kinder keine Rolle bei der Auswahl unseres Liegeplatzes gespielt hat. Hier im Hafen in Hooksiel gibt es kein WLAN und die LTE-Netzabdeckung ist leider etwas bescheiden.

Hier habe ich mich für die technische Lösung inspirieren lassen, die uns dauerhaft mit gutem Netz versorgt. Vielen Dank an Julian für das tolle Howto!

Die technischen Einzelheiten könnt ihr dort nachlesen, im Prinzip habe ich die Konfiguration übernommen. Der Router bekommt eingangsseitig ein Mobilfunksignal oder ein Hafen-WLAN, falls vorhanden. Alle Geräte an Bord werden dann mit dem bordeigenen WLAN verbunden.

Die Geräte laufen bei uns an Bord alle ohne Probleme mit 12V Bordnetz.

Router und POE-Einspeisung

Für das fremde WLAN benutzen wir ebenfalls die Bullet M2 mit einer Rundstrahlantenne. Die Empfangsqualität ist absolut überzeugend. Auf Spiekeroog, haben wir damit noch das WLAN vom Hafen in Wangerooge gesehen.

Bullet am Antennenmast

Für das Mobilfunksignal habe ich zusätzlich noch diese Außenantenne am Antennenmast installiert. Damit haben wir ein stabiles 4G-Signal an unserem Liegeplatz.

LTE-Antenne

Im Router befindet sich eine SIM-Karte von Congstar mit der Homespot-Konfiguration. 20GB Daten pro Monat an einer definierten Adresse für 20€. Das Signal ist nicht nur in unserer Marina, sondern auch bis weit hinaus auf die Jade stabil. Als Backup haben wir noch eine Prepaid-Karte an Bord, falls wir mal außerhalb unseres Heimathafens ohne WLAN unterwegs sind.

Nachmachen unbedingt empfohlen.

Motorblues

Nachdem die eine Hälfte der Familencrew gestern für zwei Tage zum Geldverdienen in die Heimat gereist ist und das Wetter gerade nicht wirklich zum Segeln taugt, haben Joni und ich heute einen Basteltag eingelegt. Seitdem wir das Boot übernommen hatten gab es Probleme mit dem Kühlwasser am Bb-Zylinder des Farymann R30 (siehe hier) und das Thema hat mir schon viele schlaflose Nächte bereitet. Am Kühlmantel ist permanent ein bisschen Wasser an den Dichtungen ausgetreten und die Zylinderkopfdichtung an  Backbord wurde immer schneller warm als an Steuerbord . Das hatte ich bei der Besichtigung im vergangenen Jahr nicht bemerkt. Mit der Erfahrung von heute, hätten wir das Boot vermutlich nicht gekauft. Zum Glück haben wir doch, denn die Geschichte geht gut aus 😉 Ich habe beim Überführungstörn zunächst akzeptiert, dass alle zwei Stunden die Bilgepumpe anspringt und das ausgetretene Kühlwasser nach draußen befördert. Im NOK hat sich dann mal der Thermostat zu Wort gemeldet. Ich habe nach und nach alle Austrittsstellen mit Quicksteel abgedichtet – eine Bastelei an Symptomen, wie ich heute herausgefunden habe. Den Kühlwasseraustritt habe ich damit jedenfalls zunächst in den Griff bekommen. Während unseres Sommertörns zu den Inseln hat sich während der Motorfahrten relativ zügig der Thermostat gemeldet. Mein Vermutung, war ein abgeknickter Kühlerschlauf am Wasseraustritt des Zylinders, den ich mittlerweile getauscht habe. Im Werkstatthandbuch steht, dass das Salz im Kühlwasser ab 55°C auskristallisiert und die Kühlkanäle verstopfen kann. Na bravo. Der Motor lief jedenfalls vollkommen unproblematisch. Das Modell wurde nach meinen Informationen als luftgekühlte Variante für Rüttelplatten verwendet, also sollte er das auch abkönnen. Kritisch ist es beim Boot, wenn die Abgase nicht vernüftig heruntergekühlt werden, da die noch ein ganzes Stück durch Gummi müssen, bevor sie am Heck mit dem Kühlwasser ins Freie gelangen. Unterwegs habe ich bereits mal versucht, den Zylinder zu spülen – ohne Erfolg.

Heute war dann Ursachenforschung angesagt. Das Kühlwasserschema des Motors kenne ich schon lange auswendig – manchmal habe ich davon geträumt 🙂 Also haben wir begonnen den Kühlwasserverteiler zu demontieren. Dieser verteilt das einströmende Seewasser nach dem Ölkühler auf die beiden Zylinder und auf eine Bypassleitung. So sieht er aus:

Der Ausbau im Boot gestaltet sich als wirklich sportlich. Zwei uralte überlackierte Schlauchschellen mit Schlitzschrauben von der Backbordkoje, eine aus dem Bad und die der Bypassleitung quer durch den Motor von vorne aus dem Salon. Dazu lassen sich rund um den Motor diverse Platten demontieren.

irgendwo zwischen Toilette und Motor

Unter dem Backbordzylinder zeigt sich dann die Bescherung. Mir bröselt schwarzer Schlamm entgegen. Das Zeug ist vermutlich eine Mischung aus Sand und Kalk und ließ sich nur mit Hilfe eines Schraubendrehers und dem vollen Wasserdruck aus einer Schlauchdüse entfernen. Und da wundere ich mich, dass der Zylinder kein Kühlwasser abbekommt. Das hätte dort vorbei gemusst.

Nach etwas einer Stunde und dank Jonis tatkräftiger Hilfe ist der Verteiler wieder montiert. Die spröden Stellen am Mantel habe ich mit selbstversweißendem Loctite-Band umwickelt und alle Schlauchschellen ersetzt. Als nächstes wird der Zylinder gespült, wer weiß, was da noch drin sitzt. Dabei habe ich mich von dieser Seite inspirieren lassen. Ich bastele also mit einer Teichpumpe einen geschlossenen Kühlkreislauf, der bei nicht laufendem Motor betrieben werden kann. Um nicht zu viele Leitungen totlegen zu müssen schließe ich den Ausgang der Pumpe an den Kühlwasseraustritt des Zylinders an. Außerdem lege ich eine Leitung an den Ausgang der Wasserpumpe. Hier tritt normalerweise das Wasser ein, heute eben mal aus. Die Kühlkanäle werden also falschherum gespült. Die Schläuche landen in einem Eimer, in den ich ca. 5l Süßwasser fülle. Irgendetwas zwischen MacGyver und Daniel Düsentrieb, aber was soll ich sagen…Es läuft!

 

 

 

Der Ausgang bekommt als Schmutzfilter noch einen Damenstrumpf übergezogen. Ich lasse die Konstruktion erstmal eine halbe Stunde laufen und trinke einen Kaffee. Danach gebe ich eine Flasche Essigessenz in den Eimer und das Spülen wird eine weitere halbe Stunde mit 10%iger Essigsäure fortgesetzt. Danach kippe ich noch ein Fläschchen Kühlerdichtmittel hinterher. Ob das bei kaltem Motor funktioniert, weiß ich nicht, aber der Versuch ist es wert. Wenn der Motor warm ist, geht das Kühlwasser ins Meer (Einkreiskühlung). Schließlich bastele ich das gesamte Kühlsystem wieder zusammen und schließe einen Wasserschlauch an den Kühlwassereintritt an, um den gesamten Motor ausgiebig mit Süßwasser zu spülen. Der Sorgenzylinder ist dicht und es plätschert munter am Heck! Der Wasserdruck ist deutlich höher als der der Wasserpumpe. Die schließe ich im Anschluss wieder an und wir machen einen Testlauf. Bis auf eine kleine Stelle, die ungefähr einen Tropfen pro Minute verliert (und mittlerweile auch abgedichtet ist) ist der Zylinder trocken! Nach etwa einer halben Stunde unter ordentlicher Last sind beide Zylinderköpfe gleich warm und der Thermostat ist natürlich ebenfalls ruhig.

Damit ist endlich ein Haken hinter der größten Baustelle beim Projekt Luna. Ein Motorproblem ist erstens sicherheitsrelevant und schmälert zweitens den Wert des Bootes massiv. Das gute Stück wird alles an Pflege bekommen, die es benötigt, damit wir noch lange Spaß daran haben.

Nebenbei habe ich eine Menge über alte Dieselmotoren gelernt.