Motorblues

Nachdem die eine Hälfte der Familencrew gestern für zwei Tage zum Geldverdienen in die Heimat gereist ist und das Wetter gerade nicht wirklich zum Segeln taugt, haben Joni und ich heute einen Basteltag eingelegt. Seitdem wir das Boot übernommen hatten gab es Probleme mit dem Kühlwasser am Bb-Zylinder des Farymann R30 (siehe hier) und das Thema hat mir schon viele schlaflose Nächte bereitet. Am Kühlmantel ist permanent ein bisschen Wasser an den Dichtungen ausgetreten und die Zylinderkopfdichtung an  Backbord wurde immer schneller warm als an Steuerbord . Das hatte ich bei der Besichtigung im vergangenen Jahr nicht bemerkt. Mit der Erfahrung von heute, hätten wir das Boot vermutlich nicht gekauft. Zum Glück haben wir doch, denn die Geschichte geht gut aus 😉 Ich habe beim Überführungstörn zunächst akzeptiert, dass alle zwei Stunden die Bilgepumpe anspringt und das ausgetretene Kühlwasser nach draußen befördert. Im NOK hat sich dann mal der Thermostat zu Wort gemeldet. Ich habe nach und nach alle Austrittsstellen mit Quicksteel abgedichtet – eine Bastelei an Symptomen, wie ich heute herausgefunden habe. Den Kühlwasseraustritt habe ich damit jedenfalls zunächst in den Griff bekommen. Während unseres Sommertörns zu den Inseln hat sich während der Motorfahrten relativ zügig der Thermostat gemeldet. Mein Vermutung, war ein abgeknickter Kühlerschlauf am Wasseraustritt des Zylinders, den ich mittlerweile getauscht habe. Im Werkstatthandbuch steht, dass das Salz im Kühlwasser ab 55°C auskristallisiert und die Kühlkanäle verstopfen kann. Na bravo. Der Motor lief jedenfalls vollkommen unproblematisch. Das Modell wurde nach meinen Informationen als luftgekühlte Variante für Rüttelplatten verwendet, also sollte er das auch abkönnen. Kritisch ist es beim Boot, wenn die Abgase nicht vernüftig heruntergekühlt werden, da die noch ein ganzes Stück durch Gummi müssen, bevor sie am Heck mit dem Kühlwasser ins Freie gelangen. Unterwegs habe ich bereits mal versucht, den Zylinder zu spülen – ohne Erfolg.

Heute war dann Ursachenforschung angesagt. Das Kühlwasserschema des Motors kenne ich schon lange auswendig – manchmal habe ich davon geträumt 🙂 Also haben wir begonnen den Kühlwasserverteiler zu demontieren. Dieser verteilt das einströmende Seewasser nach dem Ölkühler auf die beiden Zylinder und auf eine Bypassleitung. So sieht er aus:

Der Ausbau im Boot gestaltet sich als wirklich sportlich. Zwei uralte überlackierte Schlauchschellen mit Schlitzschrauben von der Backbordkoje, eine aus dem Bad und die der Bypassleitung quer durch den Motor von vorne aus dem Salon. Dazu lassen sich rund um den Motor diverse Platten demontieren.

irgendwo zwischen Toilette und Motor

Unter dem Backbordzylinder zeigt sich dann die Bescherung. Mir bröselt schwarzer Schlamm entgegen. Das Zeug ist vermutlich eine Mischung aus Sand und Kalk und ließ sich nur mit Hilfe eines Schraubendrehers und dem vollen Wasserdruck aus einer Schlauchdüse entfernen. Und da wundere ich mich, dass der Zylinder kein Kühlwasser abbekommt. Das hätte dort vorbei gemusst.

Nach etwas einer Stunde und dank Jonis tatkräftiger Hilfe ist der Verteiler wieder montiert. Die spröden Stellen am Mantel habe ich mit selbstversweißendem Loctite-Band umwickelt und alle Schlauchschellen ersetzt. Als nächstes wird der Zylinder gespült, wer weiß, was da noch drin sitzt. Dabei habe ich mich von dieser Seite inspirieren lassen. Ich bastele also mit einer Teichpumpe einen geschlossenen Kühlkreislauf, der bei nicht laufendem Motor betrieben werden kann. Um nicht zu viele Leitungen totlegen zu müssen schließe ich den Ausgang der Pumpe an den Kühlwasseraustritt des Zylinders an. Außerdem lege ich eine Leitung an den Ausgang der Wasserpumpe. Hier tritt normalerweise das Wasser ein, heute eben mal aus. Die Kühlkanäle werden also falschherum gespült. Die Schläuche landen in einem Eimer, in den ich ca. 5l Süßwasser fülle. Irgendetwas zwischen MacGyver und Daniel Düsentrieb, aber was soll ich sagen…Es läuft!

 

 

 

Der Ausgang bekommt als Schmutzfilter noch einen Damenstrumpf übergezogen. Ich lasse die Konstruktion erstmal eine halbe Stunde laufen und trinke einen Kaffee. Danach gebe ich eine Flasche Essigessenz in den Eimer und das Spülen wird eine weitere halbe Stunde mit 10%iger Essigsäure fortgesetzt. Danach kippe ich noch ein Fläschchen Kühlerdichtmittel hinterher. Ob das bei kaltem Motor funktioniert, weiß ich nicht, aber der Versuch ist es wert. Wenn der Motor warm ist, geht das Kühlwasser ins Meer (Einkreiskühlung). Schließlich bastele ich das gesamte Kühlsystem wieder zusammen und schließe einen Wasserschlauch an den Kühlwassereintritt an, um den gesamten Motor ausgiebig mit Süßwasser zu spülen. Der Sorgenzylinder ist dicht und es plätschert munter am Heck! Der Wasserdruck ist deutlich höher als der der Wasserpumpe. Die schließe ich im Anschluss wieder an und wir machen einen Testlauf. Bis auf eine kleine Stelle, die ungefähr einen Tropfen pro Minute verliert (und mittlerweile auch abgedichtet ist) ist der Zylinder trocken! Nach etwa einer halben Stunde unter ordentlicher Last sind beide Zylinderköpfe gleich warm und der Thermostat ist natürlich ebenfalls ruhig.

Damit ist endlich ein Haken hinter der größten Baustelle beim Projekt Luna. Ein Motorproblem ist erstens sicherheitsrelevant und schmälert zweitens den Wert des Bootes massiv. Das gute Stück wird alles an Pflege bekommen, die es benötigt, damit wir noch lange Spaß daran haben.

Nebenbei habe ich eine Menge über alte Dieselmotoren gelernt.